Worte

Juli 25, 2008

Worte sind nicht alles, aber ohne Worte geht gar nix! Das sagt der Linguist. Der Philosoph meint, darüber könne man nachdenken. Der Informatiker nennt Worte, also Zeichenketten, die Einheiten natürlicher Sprache repräsentieren, respektlos „Wording”.

Wir reden, bevor wir denken können. Die Sprache bestimmt also das Denken und nicht umgekehrt. So denke ich mir. Wir verändern uns. Mit uns ändert sich unser Sprachgebrauch. Als Summe dieser kleinen, persönlichen Veränderungen wandelt sich mit der Zeit auch die Sprache insgesamt. So bleibt sie lebendig, so bleibt sie spannend. Eine besondere Art von Worten sind die Mehrwortausdrücke wie „die Katze aus dem Sack lassen”, „jemandem auf der Nase herumtanzen” oder „sich die Nacht um die Ohren schlagen”. Das sind alltägliche Phrasen und wir sind uns der Besonderheit bewusst, denn nur als Einheit ergeben sie diesen Sinn.

Die SprachwissenschaftlWorteer nennen diese Mehrwortausdrücke „Idiome” und viele davon sind durchaus ein fester Bestandteil der Schriftsprache: „den Nagel auf den Kopf treffen” oder „den Faden verlieren”. Sie sind ein sehr lebendiger Teil der Sprache und ändern sich auch - manche veraltern und andere entstehen neu.

Was nicht nötig ist, aber trotzdem Teil unserer Sprache: Alles zweimal beziehungsweise doppelt zu sagen. Diese Doppelsprache ist ja nur allzu oft reale Wirklichkeit. Wörter wie Rückantwort, Bedeutungsgehalt, Gratisgeschenk, Behandlungstherapie oder Schlussfazit sind ebenso exemplarische Beispiele wie die seltene Rarität.

Ein Team deutscher Psychologen hat herausgefunden, dass unser Gehirn emotionale Wörter in einem Text schneller als neutrale Wörter erkennt. Sie werden sehr viel schneller registriert, verarbeitet und abgespeichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Wörter mit positiven oder negativen Gefühlen assoziiert sind. Das ähnelt der Reaktion gegenüber emotionalen Gesichtsausdrücken und Bildern, obwohl es ja nur geschriebene Wörter sind, also eigentlich abstrakte Symbole.

Das schönste Wort der Welt wurde von einer Jury aus 2500 eingesendeten Worten ausgewählt. Der Wettbewerb, vom Institut für Auslandsbeziehungen ausgerufen, hatte zum Ziel, Worte hervorzuheben, die nicht alltäglich sind. And the winner is: „Yakamoz” - türkisch für „die Widerspiegelung des Mondes im Wasser”. Auf Platz 2 und 3 folgten das chinesische Wort „hu lu” (schnarchen) bzw. „volongoto” (luganda für unordentlich, chaotisch).

Es gibt übrigens ein virtuelles Wortmuseum (www.wortmuseum.de), dort werden Worte, die aus unserem aktiven Wortschatz herausgefallen sind, gesammelt und erklärt. Da trifft man auf so „Kleinode” wie „blümerant”, „spornstreichs” oder „mäandern”.

Ich schreibe manchmal Wortlisten. Mir fiel dabei auf, dass kleine Wörter Charme haben, der bei großen schwer zu finden ist. Kajüte, Kiesel, Ameise, Kind und Bach sind charmant. Wahrheit, Palast, Staat, Krieg, Präsident eher nicht. Der charmante Staat – klingt utopisch.

Die liebsten Worte aber sind mir die Worterfindungen der Kinder, die ich sorgfältig in meinem „Museum” aufbewahre. Das geht von der hartnäckigen Betitelung des großen Bruders Peter als „Täter” bis hin zu der lyrischen Beschreibung meiner Tochter von zwei Saatkrähen auf einem hohen Baumast : „Die picken Wolkenwürmer”.

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